GmbH-Jahresabschluss: Erleichterungen für kleine Gesellschaften

Weitere Erleichterungen für kleine Gesellschaften – Nach Referentenentwurf nunmehr auch Regierungsentwurf des Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetzes (BilRUG) vorgelegt

Im Juni 2013 wurde von der EU die neue Bilanzrichtlinie veröffentlicht. Diese Richtlinie fasst die bislang getrennten EG-Richtlinien zum Jahres- und Konzernabschluss (4. und 7. EG-Richtlinie) zusammen. Ziel der Richtlinie ist insbesondere die weitere Harmonisierung der europäischen Rechnungslegung sowie ein weiterer Bürokratieabbau vor allem für kleine Unternehmen. Die EU-Richtlinie ist bis spätestens Juli 2015 in nationales Recht zu transformieren. Das BMJV hatte hierzu mit dem am 27. Juli 2014 vorgelegten Referentenentwurf für das BilRUG das Gesetzgebungsverfahren auf den Weg gebracht. Seit dem 7. Januar 2015 liegt nunmehr der Regierungsentwurf mit einigen Konkretisierungen und Nachbesserungen vor.

Die wichtigsten Eckpunkte lauten:

Einmal mehr werden die Schwellenwerte für die Größeneinstufungen der Unternehmen (§ 267 HGB) angehoben. Die Schwellenwerte "Bilanzsumme" und "Umsatzerlöse" erhöhen sich dabei für kleine Gesellschaften deutlich um ca. 24 %, für mittelgroße Gesellschaften um ca. 4 %. Die mit dem MicroBilG eingeführten Merkmale der so genannten Kleinstgesellschaften werden nicht angepasst. Die Anpassung der Schwellenwerte bringt erhebliche Vorteile für sehr viele Kapital- und KapCo-Gesellschaften, da durch den Abstieg in die Kategorie "kleine Gesellschaft" zukünftig noch einmal deutlich mehr mittelständische Gesellschaften (das BMJV geht von ca. 7.000 Unternehmen aus) von der bisher bestehenden Pflicht zur Jahresabschlussprüfung und zur Erstellung eines Lageberichtes befreit werden. Daneben gibt es für diese Unternehmenskategorie erhebliche Erleichterungen für die Aufstellung des Anhangs sowie bei der Offenlegung.

Eine Gesellschaft gilt nunmehr als kleine Kapitalgesellschaft (& Co.), wenn mindestens zwei der drei folgenden Merkmale nicht überschritten werden:

  • Bilanzsumme TEUR 6.000 (bisher TEUR 4.840)
  • Umsatzerlöse TEUR 12.000 (bisher TEUR 9.680)
  • Zahl der Arbeitnehmer 50 (unverändert).

Auch die Schwellenwerte für den Konzernabschluss (§ 293 HGB) sollen um ca. 4 % heraufgesetzt werden.

Daneben soll es Änderungen bezüglich bestimmter Ausweisfragen in der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung geben (z. B. Änderungen bezüglich der Angabe von Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern, Angabe von Restlaufzeiten von Verbindlichkeiten). Geändert wird auch die Definition der Umsatzerlöse: Hier kommt es zu einer Ausweitung im Vergleich zum bisherigen Recht, da auch Erlöse aus dem Verkauf, der Vermietung/Verpachtung sowie der Erbringung von Dienstleistungen, die neben der gewöhnlichen und für das Unternehmen typischen Geschäftstätigkeit anfallen (z. B. Kantinenumsätze, nicht betriebstypische Mieterträge), einzubeziehen und nicht mehr als "sonstiger betrieblicher Ertrag" auszuweisen sind. Achtung: Dies relativiert die Anhebung des Schwellenwertes "Umsatzerlöse"! Eine weitere wichtige geplante Neuerung betrifft den Wegfall des gesonderten Ausweises außerordentlicher Posten (Erträge, Aufwendungen, Ergebnis) in der GuV. Stattdessen sollen zu jedem GuV-Posten Ausführungen über "außergewöhnliche Geschäftsvorfälle" im Anhang erfolgen.

Schließlich erfährt der Anhang durch das BilRUG eine Aufwertung. Verschiedene Anhangangaben für mittelgroße und große Gesellschaften kommen im Vergleich zum heutigen Stand hinzu. Für kleine Gesellschaften soll es jedoch weitere Erleichterungen geben, da diese von verschiedenen, bisher notwendigen Angaben (z.B. Angaben zu ihren Geschäftsführern) befreit werden sollen.

Hinsichtlich der Weitergabe der Erleichterungen aus der EU-Richtlinie an die kleinen Gesellschaften ist einmal mehr der zeitliche Aspekt hervorhebenswert: So sollen die Neuregelungen zu den Schwellenwerten laut Referentenentwurf bereits erstmals für Geschäftsjahre gelten, die nach dem 31. Dezember 2013 beginnen, mithin also bei kalendergleichem Geschäftsjahr schon für das laufende Jahr 2014. Wichtig hierbei ist die Beachtung der Übergangsregelung für die erstmalige Anwendung der neuen Schwellenwerte, da auch hier – wie bei früheren Gesetzgebungsverfahren – eine Rückbeziehung der erhöhten Schwellenwerte vorgesehen ist. Demzufolge gelten die angehobenen Schwellenwerte für die Beurteilung, ob ein zweimaliges Über- oder Unterschreiten vorliegt, bereits zum Stichtag 31. Dezember 2013 bzw. 31. Dezember 2012. Die Erleichterung aus dem Abstieg in die Kategorie "kleiner Gesellschaft" kann somit schon für den Jahresabschluss 2014 in Anspruch genommen werden. Abweichend von der im Referentenentwurf vorgesehenen frühzeitigen Anwendungspflicht sieht der Regierungsentwurf nunmehr aber ein Wahlrecht hierfür vor. Die frühzeitige Anwendung ist aber nur möglich, wenn zugleich die Neudefinition der Umsatzerlöse beachtet wird. Letzteres könnte – nachträglich – zu einem beachtlichen Umstellungsaufwand führen!

Alle anderen neuen Vorschriften sind erstmals auf Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2015 (also regelmäßig für das Geschäftsjahr 2016) beginnen, anzuwenden.

Naturgemäß bleibt abzuwarten, in welchem Umfang die genannten Neuregelungen nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens tatsächlich umgesetzt werden. Als sicher gilt jedoch die zügige Anhebung der Schwellenwerte, um die Erleichterungen schnellstmöglich weitergeben zu können. Weitere Nachbesserungen bis zur Verabschiedung des BilRUG sind wünschenswert, aber offen.

Einen ausführlichen Fachbeitrag zum Referentenentwurf haben wir hierzu in der Zeitschrift GmbH-Steuerpraxis 11/2014, Seite 330 ff. veröffentlicht.

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